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Die Bedeutung von Emojis: Wie Social Media unsere Kommunikation verändert

16. Februar 2016
Sprache Entwicklung Emojis

Das Oxford Dictionaries Wort des Jahres 2015 war erstmals kein Wort. Sondern der Emoji „Face with tears of joy“, also der „Tränen der Freude“-Emoji:

Laut Jury spiegelt 😂 am besten den Ethos und die Stimmung des Jahres 2015 wider.

Aber was bedeutet das für unseren Sprachgebrauch? Werden wir durch Social Media und Instant Messaging wieder zu Höhlenmenschen?

Emoji oder Emoticon?

Im Duden wird bislang nur das Wort Emoticon geführt. Dieses beschreibt eine „Kombination verschiedener auf einer Computertastatur vorhandener Zeichen“ zur Gefühlsäußerung: z.B. „;-)“ oder „:-)“

Das Wort emoji hat seinen Ursprung im Japanischen: steht dabei für „Bild“, moji für „Buchstabe“ bzw. „Zeichen“. Die grafischen Gesichter überwinden Sprachbarrieren und sind dabei vielfältiger nutzbar als Emoticons.

Höhlenmalerei 2.0?

Zur Steinzeit malten unsere Ahnen noch Tiere und Familien-Konstellationen an die Wand, um sich besser verständigen zu können. Die Entwicklung von der Bildsprache zum Alphabet ist kulturell fundamental. Entwickeln wir uns also gerade zurück?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir zuerst verstehen, welche Funktion Sprache hat. Das erklärt Vyvyan Evans in einem Blog-Artikel für die Oxford Dictionaries, dessen wichtigste Stelle ich dir hier ins Deutsche übersetzt habe:

Jede natürliche Sprache hat zwei hauptsächliche kommunikative Funktionen. Zum einen eine ideelle Funktion: um eine Idee oder Wahrnehmung verständlich zu machen, z.B. indem ich sage „Es regnet“, oder „Ich liebe dich“. Zum anderen hat sie eine interaktiv-zwischenmenschnliche Funktion: um das Verhalten anderer zu beeinflussen und um in vielerlei Hinsicht Angelegenheiten auch im laufenden Prozess zu verändern. Zum Beispiel, indem ich jemanden bitte die Tür zu schließen, während er bereits auf dem Weg aus dem Raum ist.

Dieses Verständnis von Sprache hilft übrigens auch merkbar beim Verfassen von E-Mails oder Facebook-Beiträgen. Stell dir nächstes Mal einfach die Frage: Versuchst du, dich verständlich zu machen oder andere in ihrem Verhalten zu beeinflussen?

Emojis Aussehen

So sieht „Smiling Face With Heart-Shaped Eyes“ auf unterschiedlichen Systemen aus.

Wie wir Emojis verwenden

„Emojis verkörpern einen zentralen Aspekt des Lebens in einer digitalen Welt, das stark visuell, emotional und unmittelbar ist.“, heißt es laut Time in einer Pressemitteilung zur Oxford Dictionaries Wort-Wahl des Jahres 2015.

Das Facebook-Unternehmen Instagram untersuchte im letzten Jahr die Verwendung von Emojis und ordnete sie den Herkunftsländern ihrer Nutzer zu. Dabei kam heraus:

Fast jedes zweite Instagram-Posting eines deutschen Nutzers enthält ein Emoji. Bei den Finnen trifft das sogar für über 60% der Fotos und Videos zu:

Instagram Emoji-Nutzung 2015

Instagram Emoji-Nutzung 2015

Emoji Nutzung Twitter

Quelle: Twitter

Schaut man zudem noch darauf, wie häufig wir welches Emoji durchschnittlich verwenden (hier rechts die beliebtesten Emojis bei Twitter während TV-Übertragungen), wird eines klar:

Statt wie bisher unser geschriebenes Wort nur um Gesichtsausdrücke durch Emoticon-Zeichen zu verstärken, verfeinern wir die Bedeutung unserer Wörter durch bildhafte Emojis. Aber immer öfter kommunizieren wir auch gänzlich wortlos. Bestes Beispiel dafür ist die von Facebook gelernte Bestätigung durch 👍

Generell war der „Tränen der Freude“-Emoji letztes Jahr bei Twitter der am häufigsten verwendete Emoji. Ein künstlerischer Blick auf die Echtzeit-Verwendung von Emojis bei Twitter benötigt sogar einen Epilepsie-Warnhinweis.

Die 7-38-55-Regel

Der US-amerikanische Psychologe Albert Mehrabian hat die Bedeutung nonverbaler Elemente menschlicher Kommunikation erforscht.

Dabei fand er heraus, dass unsere Gespräche nur zu 7% durch den Inhalt, zu 38% durch den Tonfall und zu 55% durch die Körpersprache bestimmt werden.

Es ist zwar schon seit Brief- und Telefon-Zeiten gewiss, aber in diesem Zusammenhang wichtig zu erwähnen: Wenn wir nicht face-to-face kommunizieren, verzichten wir auf den größten Teil unserer menschlichen Kommunikations-Fähigkeiten.

Emojis als einfache Wort-Begleitung

Längst sind Emojis, aber auch Hashtags und Neologismen (z.B. „Selfie“ oder das Jugendwort des Jahres 2015 „Smombie“) im alltäglichen Sprachgebrauch angekommen.

Dennoch wird es wohl so schnell nicht passieren, dass wir uns zurück zu einer Bildsprache entwickeln: Bislang hat mir noch kein Freund im persönlichen Gespräch Emojis vor die Nase gehalten, um seinem gesprochenen Wort mehr Ausdruck zu verleihen.

Es gilt: Unsere schriftliche Kommunikation ist im Begriff, sich signifikant zu verändern.

Folgende Wörter werden übrigens laut Instagram-Erhebung häufig mit dem jeweiligen Emoji verwendet. Hauptsache ihr versteht euch:

  • 😂: lolol, lmao, lololol, lolz, lmfao, lmaoo, lolololol, lol, ahahah, ahahha, loll, ahaha, ahah, lmfaoo, ahha, lmaooo, lolll, lollll, ahahaha, ahhaha, lml, lmfaooo
  • 😍: beautifull, gawgeous, gorgeous, perfff, georgous, gorgous, hottt, goregous, cuteeee, beautifullll, georgeous, baeeeee, hotttt, babeee, sexyyyy, perffff, hawttt
  • ❤: xoxoxox, xoxoxo, xoxo, xoxoxoxo, xoxoxoxoxo, xoxoxoxox, xxoo, oxox, babycakes, muahhhh, mwahh, babe, boobear, loveyou, bunches, muahhh, muahh, xoxox, muahhhhh

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