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Deshalb sind Instagram Stories überflüssig

5. August 2016
Instagram Stories

Ich habe das „neue“ Feature „Instagram Stories“ nun ein paar Tage auf mich wirken lassen. Das erste laute Lachen ob der Ähnlichkeit zu Snapchat ist verhallt. Die ersten verwirrten Inhalte von Personen, die ich vorher nie kannte (weil mich ihre Fotos interessieren), sind älter als 24 Stunden und damit gelöscht. Halt genau so wie Snapchat.

Und noch immer verstehe ich nicht, wie man auf die Idee kommt, das Konzept von Snapchat unverhohlen zu kopieren.

Man war sich ja nicht mal zu schade, das Kind wenigstens bei einem anderen Namen zu nennen. „Introducing Instagram Stories“ heißt der überraschende Blog-Artikel vom 02. August 2016

Aber vermutlich war das die einzig richtige Idee im gesamten Prozess. Denn so redet wenigstens niemand um den heißen Brei herum:

Instagram kopiert Snapchat

Wir wissen bereits, dass sich Instagram-Nutzer mit geplanten Produktänderungen auseinandersetzen und gern auch mal dagegen protestieren (#timelineupdate).

Nach einer „Stories“-Funktion hat nun wirklich niemand gefragt. Und in Sachen Innovation ist es eher wie der nächste Burgerladen in einer Großstadt.

Gerade wegen der Ähnlichkeit zu Snapchat, dessen milliardenteurer Aufkauf Mark Zuckerberg (bislang) verwehrt blieb, fühlt es sich an wie das Produkt angekratzter Eitelkeiten.

Ganz wie das kleine Kind im Sandkasten, das nicht mitspielen darf. Nur dass ich nicht davon ausgehe, dass Instagram die „Sandburg Snapchat“ nun mit „Instagram Stories“ zerstört.

Ganz im Gegenteil:

Instagram Stories zerstört das Netzwerk

Ok, das ist vielleicht überspitzt. Aber ganz weit hergeholt ist das auch nicht. Alleine die oben verlinkte Ankündigung hätte meines Erachtens schon gehörig nach hinten losgehen können.

Hätte man nicht reichweitenstarke Internet-Prominenz wie Dagi Bee zu einem „Special Happening“ ins Facebook-Office nach London geflogen und das neue Feature mit einem großem Rahmenprogramm (sie übernachteten auf einer luxuriösen Bohrinsel) „exklusiv“ präsentiert, um positive Inhalte „zu erzwingen“:

Mein Story-Feed war am Tag 1 nach der Ankündigung gespickt mit Verweisen zu Snapchat und schwarzen Bildern mit Hassbotschaften für die Funktion.

Ich will jetzt keinen „Instagram-Boykott“ herbei schreien. Aber unsere vernetzte Welt ist so schnelllebig, dass ich jedes zur Zeit angesagte soziale Netzwerk eher als „Lebensabschnittsgefährte“ ansehen würde: „In guten wie in schlechten Zeiten.“

Weniger Interaktion bei ganz wenig Innovation

Weil ich in diesem Artikel ja nicht nur jammern will, dass ich mein altes Instagram wiederhaben will und auch nicht nur darüber herziehen, dass es eigentlich Snapstagram heißen müsste, mal eine offene Frage:

Führen diese Instagram Stories nicht zu weniger Aktivität innerhalb der App? Man kann ja nicht mal das berühmte Herzchen antippen.

Da man hier einfach nur sehr nah am Beispiel Snapchat operiert hat, wurden eben auch fehlende soziale Interaktionen mit übernommen – etwas, das eigentlich nicht in das Hause Facebook passt, oder?

Wie ich dir z.B. in meinem Artikel über die Snapchat Infografik erläutert habe, ist Snapchat in meinen Augen auch kein soziales Netzwerk, sondern viel mehr eine native App mit innovativer Steuerung. Und davon schaut sich das soziale Netzwerk Instagram mit seinen neuen Algorithmen etwas ab?

Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht

„Folgt mir bei Snapchat, ich heiße da…“ ist in den meisten Inhalten der Stories, die ich sehe(n musste) ganz knapp gefolgt von „Hier gibt es ja keine witzigen Hundenasen oder Geofilter. Ich bin wieder raus!“.

Wenn ich einen Schnelldurchlauf durch die Snapchat-Stories meiner abonnierten Personen mache, fliegen mir viele Hundezungen entgegen, wenn nicht gerade die goldenen Schmetterlinge um die Stirn fliegen.

Und weil man heutzutage ja überall zu Hause ist, wischt man schnell noch einen Geofilter „MITTE“ auf den Inhalt.

Du weißt, was ich meine…

Snapchat Linse

Foto: Snapchat

Ob das nun der sinnvollere Inhalt ist, sei mal dahingestellt. Aber offensichtlich stellen Linsen und Geofilter für Snapchatter ein wichtiges Nutzungsszenario dar. Und das fehlt (noch) bei den Instagram Stories.

Womöglich ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis man via Facebook Ads Manager Geofilter als Werbeform nutzen kann?

Also ich habe ja nicht grundlegend etwas gegen das Credo „Besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht“, wenn es dann auch eingehalten wird.

Und muss ich jetzt wirklich Personen bei Instagram entfolgen?

Ich persönliche folge bei Instagram annähernd 500 Personen und Marken. Und eigentlich werden das stetig mehr.

Anders als tausende Freunde bei Facebook macht eine solche Following-Anzahl in meinen Augen auch Sinn. Denn ich folge ihnen, weil ich mich durch ihre professionellen Bildwelten inspirieren lasse.

Teilweise wusste ich nicht mal, welche Sprache sie ursprünglich sprechen. Weil es mir auch egal ist.

Nun wird aber das Startbild meines Feeds dominiert von übergroßen Profilbildern von Personen, die ich meinen Lebtag nie kennen lernen musste oder wollte.

Gefühlt sind sogar die Profilbildgrößen denen von Snapchat nachempfunden: „Jetzt noch einen bunten Kreis drum wie in unserem Logo und zack, fertig.“

Nur weil mir ihre Foto- und Videoinhalte gefallen, interessiert mich noch lange nicht ihr Leben.

Du willst mir jetzt vielleicht entgegenbrüllen: „Dann guck die Stories doch einfach nicht an“ – und du hast Recht. Aber ist das nicht ein bisschen wie die Einführung von Tierfotos in Pornoseiten? Muss ich auch nicht hingucken, aber:

Was hat das da zu suchen?!

Es ist nicht alles schlecht an Instagram Stories…

Während die einen sich fragen, welche App sie fortan zum Geschichten erzählen nutzen (und dabei größtenteils beim „Alten“ bleiben), wenden die anderen einfach doppelte Lebenszeit auf. Das macht auch Sinn – wenn man die Zeit hat.

An dieser Stelle lobe ich zum Beispiel meine alte Schulfreundin Xenia alias xeniaoverdose: Sie berichtet in ihren Snaps auf deutsch, spricht aber ihre über 461.000 Instagram-Follower in Stories auf englisch an.

Dahingegen springt die Schauspielerin und YouTuberin Nilam in den Sprachen gern mal hin und her – auch das könnte denkbar sein.

Der Vorzeige-YouTuber Fynn Kliemann erzählt in seiner Snapchat-Story von dicken Kuh-Bullen und Scherzreparaturen an seinem Auto. In seinen Instagram Stories hingegen ist davon nichts zu hören. Hier erfährt man u.a. von Überraschungs-Geschenken an der Haustür.

Auch dieses Nutzungsszenario verschiedener Story-Inhalte ist denkbar. Aber bitte nutze es nicht für Inhalts-Duplikate.

Fehlt nur noch, dass man beide Stories synchronisieren kann und das Desaster ist perfekt.

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2 Kommentare

  • Reply WhatsApp & Messenger: Facebook kopiert mal wieder Snapchat 4. Oktober 2016 at 17:22

    […] Funktion“ Storys der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (Meine Meinung dazu kannst du hier noch einmal […]

  • Reply Wenn der Telekom-Mann 3x klingelt: Deutschland einig Internet-Land?! 9. Dezember 2016 at 20:13

    […] Fraktion, die es begrüßen würde, mit Einzug in eine neue Wohnung auch die Snapchat– oder Instagram-Stories der Freunde checken zu können? Oder wenigstens etwas Sinnvolles mit dem Internet […]

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