Diverses

Wenn der Telekom-Mann 3x klingelt: Deutschland einig Internet-Land?!

9. Dezember 2016
Telekom Freischaltung Probleme

Sollte in einem Land wie Deutschland nicht auch das Internet zu einer „warmen Wohnung“ gehören? „Bitte nicht noch weitere Zwangsabgaben!“, höre ich die einen rufen. „Inter-hä?“ wenige andere. (Oma, warst du das?)

Aber existiert da draußen nicht eine große Fraktion, die es begrüßen würde, mit Einzug in eine neue Wohnung auch die Snapchat– oder Instagram-Stories der Freunde checken zu können? Oder wenigstens etwas Sinnvolles mit dem Internet anzufangen?

Wasser! Strom! Heizung! Internet?

Stell dir vor, du müsstest nicht Wochen vor dem Umzug die gängigen Internet-Anbieter vergleichen. Nicht mit deinem Mobilfunkanbieter über einen 10€-Vorteil feilschen, wenn du nun auch Internet-Festnetzkunde wirst? Fest-hä?

Und das beste: Du vermeidest dämliche Umstände, wenn der Anschluss mal nicht mit dem Tag der Freischaltung funktioniert. Und damit sparst du wiederum Zeit, um im Ereignisfall nicht nach Alternativen zu suchen – so wie bei mir jüngst geschehen:

Es war der erste richtige Tag in meiner neuen Wohnung. Alles war minutiös geplant: Zwischen 08.00 und 09.00 Uhr der Kühlschrank, eine Stunde später das Sofa und irgendwann zwischen 07.00 und 18.00 „der Telekom-Mann“.

Frisch (im Warmwasser) geduscht mit der (am Strom angeschlossenen) Bohrmaschine in der Hand, stand ich im (geheizten) Wohnzimmer. Und plötzlich klingelte es an der Tür.

»Da sind mir die Hände gebunden.«

Der Telekom-Mann trat herein, um das letzte Puzzle-Stück meiner Grundversorgung zu justieren:

Koffer ausgepackt. Kabel angeschlossen. Komisch geguckt. Kurz in den Keller. Wieder hoch. Kein Signal. Kurz auf die Straße. Wieder hoch. Kein Signal.

„Das muss am Kabel zum Haus liegen. Da sind mir die Hände gebunden, tut mir leid. Ich gebe das an die Netzabteilung, die melden sich dann. Auf Wiedersehen.“„Und wie lange dauert das in der Regel?“„Das kann ich Ihnen nicht sagen, aber die werden sich beeilen.“„Achso, ok, danke.“

Seitdem habe ich meinen dritten Mobilfunk-Datenpass (auf eigene Kosten) hinzugebucht, um die wichtigsten Dinge in meinem Job erledigen zu können. Kulante Freischaltung meines mobilen Datenvolumens? Fehlanzeige. (Die Düsseldorfer Konkurrenz hätte es mir für die Wartezeit übrigens sofort gewährt: „No Limit, das ist doch selbstverständlich“)

Diese Kulanz bekommen wir nicht vom Eis

Immerhin erhielt ich gestern per Post (nachdem ich in einem Telekom Call-Center angerufen und mit drei Beratern verhandeln musste) eine Daten-SIM für 2×5 GB. „Einen Stick müssten Sie aber selbst stellen oder bei uns für 70€ kaufen.“„Achso, ok, danke.“

Ich darf wohl froh sein, dass ich in eine Großstadt mit LTE und nicht aufs Land mit „Kein Netz“ gezogen bin.

Nachdem sich niemand aus der Netzabteilung proaktiv bei mir gemeldet hat, erlaubte ich mir einen weiteren Anruf:

Plötzlich wusste „Frau Schmidt“ zu meinem Erstaunen, dass ein zweiter Freischaltungs-Termin für den 16.12. eingetragen ist. Juhu, Freischaltung. Ohje, noch eine weitere Woche warten.

Und wie hätte ich davon erfahren sollen? „Ich sage es Ihnen ja jetzt.“ „Achso, ok, danke.“

„Das geht im System leider nicht anders“

Für die bisherige Nichtleistung wird mir übrigens rund um die Weihnachtstage auch eine Rechnung über den vollen Preis zugestellt: „Das geht im System leider nicht anders. Aber wenn Sie dann bei uns anrufen, erlassen wir Ihnen natürlich die Kosten.“ Habe ich erfahren, als ich angerufen habe und nachgefragt habe. „Achso, ok, danke.“

Stornieren und zur Konkurrenz wechseln? „Das geht natürlich aus Kulanz-Gründen. Ist zwar mit einem Rückabwicklungs-Auftrag sehr aufwendig, denn eigentlich ist Ihre Widerrufsfrist ja schon abgelaufen, aber das soll ja nicht Ihr Problem sein.“„Achso, ok, danke.“

Wie lautet die Alternative? Der ortsansässige Kabelanbieter erbittet sich „bis zu zehn Werktage bis zur Freischaltung“. Zudem pachtet er das exklusive Recht auf die Kabel-Leitungen im Haus. Schade, Vodafone, aber danke für den Kaffee im Store.

Und sogar das (zugegeben halb-legale) Berufen auf eine 14-tägige Widerrufsfrist beim Konkurrenten, um die Zeit bis zur Magenta-Leitung zu überbrücken, funktioniert in diesem Land nach eigener Aussage nicht: „Wenn der Anschluss erstmal geschaltet ist, sind sie 12 Monate daran gebunden.“ „Achso, ok, danke.“

Fun-Fact: Weil meine Warmmiete keine Anschlussgebühr für Kabel-TV beinhaltet, rechnete sich bei Vertrags-Abschluss mit der Telekom Anfang November sogar das IP-TV „Entertain“. Der Mediareceiver für 5€ Miete/Monat wurde mir im zweiten Versuch sogar schon zugestellt. Beim ersten Mal ging das Gerät trotz deutlichem Hinweis nämlich an die (logischerweise) erst seit Einzug bewohnte Adresse.

Ich kann dir sagen: Mal für eine Zeit nur aus den Öffentlich-Rechtlichen via DVB-T auswählen zu können, ist auf eine Art irgendwie auch belebend.

Ich fasse zusammen: Meine Situation ist bis auf weiteres aussichtslos.

Einziger Ausweg: Die neuen Nachbarn anschnorren und Ihnen erklären, dass ich zwar mit dem Internet arbeite, aber dabei weder leicht bekleidete Live-Videos streame, noch, dass „Tor“ maximal die Position eines Klienten, aber keinesfalls mein bevorzugter Browser für Dark-Net-Tätigkeiten ist. „Hallo, schön dich kennen zu lernen, wir sind die Neuen.“ Super-Start!

Genau so sehr, wie ich großer Fürsprecher eines Pflicht-Schulfaches „Medienkompetenz“ bin, weiß ich nun auch: Ein sofort verfügbares Internet gehört für mich zur Grundversorgung.

Es muss ja nicht gleich wie beim Wasser sein, bei dem ich immer an den einen Grundversorger gebunden bin. Aber zum Beispiel habe ich mich gestern dank Online-Preisvergleich auf einen Stromanbieter aus dem anderen Ende des Landes eingelassen. Weil’s dort einen Sofortbonus auf den monatlichen Abschlag für’s erste Jahr gab.

So könnte es doch auch beim Internet laufen, oder? Und meinetwegen kann dann auch nach Verbrauch abgerechnet werden. Denn natürlich muss ich mehr zahlen als meine Oma.

Und wenn’s mit den geplanten Dingen für die neue Wohnung ganz schlecht läuft, muss ich mich an dieser Stelle vielleicht bald noch mal über die Interpretation von Wunsch-Termin-Lieferungen des englischen Möbel-Anbieters made.com auslassen: Soeben kam per Mail die Info über meinen Esstisch mit zwei Bänken, dass eine Zustellung nach 13 Wochen für den 25.12.2016 avisiert ist. Da kann ich nicht. Da bin ich im Internet. Hoffentlich.

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